Orthopädische Therapieformen bei kindlichen Fußfehlstellungen

Das wichtigste Fortbewegungsmittel für den Menschen sind die Füße. Die Füße tragen unser Gewicht, helfen uns, das Gleichgewicht zu halten und ermöglichen uns die Ausführung unterschiedlicher Bewegungsarten. Leider sind Fußfehlstellungen weit verbreitet, und können schon im Kindesalter entstehen. Das wirkt sich im späteren Leben immer mehr auf die Gesundheit der Füße aus. Schon die kleinsten Füße unserer Kinder bestehen aus 28 Knochen, 107 Bändern und 19 Muskeln. Dieser komplexe Aufbau der Füße bringt aber auch Fehlstellungen mit sich.

Eine Fußfehlstellung hat nicht nur Konsequenzen für die Füße: infolgedessen kann auch der gesamte Bewegungsapparat Schäden davontragen. Bei einem Neugeborenen sind die Füße noch kaum entwickelt. Das Fußskelett ist weich und formbar. Babys haben anfangs Plattfüße, und erst nach und nach entwickelt sich das Quer- und Längsgewölbe. Erst ab dem sechsten Lebensjahr kann man den Fuß des Kindes mit dem eines Erwachsenen vergleichen. Eine Fußfehlstellung kann angeboren sein, aber auch erst während des Wachstums entstehen. Handelt es sich um eine angeborene Fehlstellung, so hat das meist genetische Ursachen. Laut einer Studie kommen aber weniger als 2% der Babys mit einer Fußfehlstellung zur Welt. Die meisten Fußfehlstellungen können vom Kinderarzt bei den ersten Untersuchungen festgestellt werden. Handelt es sich um einen Klump- oder Sichelfuß, so wird meist keine Korrektur vorgenommen, da sich diese Arten der Fehlstellungen meist von selbst regulieren. Entsteht im Laufe des Wachstums eine Fehlstellung des Fußes, so kann das eine Folge von Übergewicht, falschem Schuhwerk oder Bewegungsmangel sein.

Die häufigsten Arten der Fußfehlstellungen sind:

Der physiologische Knick-Senkfuß oder kindlicher Knick-Plattfuß
Diese Art der Fußfehlstellung ist meist eine harmlose und altersbedingte Fehlstellung, die im Kleinkind- oder Kindesalter auftritt. Die Ferse steht in einer Valgusstellung. Das heißt, sie ist nach außen gekippt, und es besteht eine Abflachung des Längsgewölbes. Hier liegt die Ursache in der vermehrten Drehung des Schenkelhalses.

Der unflexible Knick-Senkfuß
Wird diese Diagnose gestellt, so haben die Kinder ein Problem mit der Zehenstellung und dadurch auch Probleme beim Gehen. Das Fußgewölbe kann sich auch im Zehenspitzenstand nicht aufrichten, sodass es abgeflacht bleibt.

Der Spreizfuß
Das vordere Quergewölbe ist bei dieser Fußfehlstellung abgeflacht und dadurch spreizen sich die Zehen in Form eines Fächers. Das Tragen von zu engen Schuhen ist die häufigste Ursache. Die Schmerzen sind in fast allen Fällen unter dem Vorfuß und in den Zehen.

Der Ballenhohlfuß
Im Gegensatz zum Plattfuß zeigt sich hier eine übermäßige Wölbung im Längsgewölbe. Häufig bedingt durch Kinderlähmung oder durch Veranlagung. Die Folgen, unter denen die Kinder leiden, sind Krallenzehen und Hühneraugen unter dem Vorfuß und an den Zehen.

Der Spitzfuß
Beim Spitzfuß liegt die Fehlstellung im oberen Sprunggelenk, welches steil nach unten gerichtet ist. Die Ferse kann beim Gehen nicht vollständig am Boden aufsetzen und nicht abrollen. Diese dauerhafte Haltung führt zu Schäden an der Wirbelsäule und den Gelenken. Auch Stabilitätsprobleme gehen damit einher. Die Ursachen für den Spitzfuß liegen in einer verkürzten Achillessehne oder Wadenmuskulatur.

Der Sichelfuß
Bei Säuglingen ist die häufigste Fehlstellung der Sichelfuß. Hier sind der vordere Teil des Fußes sowie die Zehen nach innen gedreht. Der Fuß bekommt die Form einer Sichel. Auch der große Zeh neigt sich nach innen. Die mögliche Ursache dafür kann zu häufiges Liegen der Babys auf dem Bauch sein.

Der Klumpfuß
Die häufigste Form der kindlichen Fußfehlstellung ist der Klumpfuß, wobei Jungen öfter davon betroffen sind als Mädchen. Der Klumpfuß tritt meistens beidseitig auf, die Ursache dafür ist unklar. Neurologische Erkrankungen oder Syndrome (Vorliegen verschiedener Symptome) sind beides Ursachen für die Entstehung. Es besteht eine dreidimensionale Fehlbildung, wo Spitzfuß, Hohlfuß und Sichelfuß in unterschiedlicher Stärke auftreten. Das Gehen wird stark beeinträchtigt.

Der Hackenfuß
Beim Hackenfuß ziehen die Kinder den Fußrücken in Richtung Schienbein; Die Fußsohle richtet sich nach außen. Ist die Fehlstellung sehr ausgeprägt, berührt der Fußrücken das Schienbein. Das Gehen mit den Zehen ist unmöglich. Eine Heilung dieser Art von Stellung tritt oft kurz nach der Geburt ein. Leiden Kleinkinder unter einem Hackenfuß, erlernen sie auch das Laufen deutlich später lernen als Gleichaltrige.

Es gibt noch weitere Fußfehlstellungen, wie den Hallux valgus, Hallux varus oder die Hammerzehe. Bei diesen Arten sind die Zehen betroffen.

Die Orthopädie ist aber sehr weit fortgeschritten in der Heilung von Fußfehlstellungen. Die meisten Arten werden frühzeitig erkannt, sodass man die Fußfehlstellungen bereits im Kindesalter korrigieren kann. Werden die Fußfehlstellungen jedoch ignoriert oder nicht behandelt, dann führen sie im Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Beschwerden.

In der Regel können Fußfehlstellungen durch einfache Mittel korrigiert werden, beispielweise durch das Tragen von bequemem und nicht zu hohem Schuhwerk – besonders bei Kindern. Leidet der Betroffene unter Übergewicht, kann durch Gewichtsreduktion eine Besserung erfolgen.